Nach dem Jubiläumsjahr ging unser Think-Tank in die elfte Runde und fand erstmals an einer neuen Location statt. Unter dem Motto „Ausnahmesituationen meistern: Drei Perspektiven, ein Thema“ kamen Kunden, Partner und Interessierte zusammen, um außergewöhnliche Lebenswege kennenzulernen und neue Impulse für den eigenen Führungs- und Lebensalltag mitzunehmen. Im Mittelpunkt stand eine zentrale Frage: Wie gehen Menschen mit Extremsituationen um und wie gelingt es ihnen, gestärkt daraus hervorzugehen?
Den Auftakt machte Jan Gellusch, Polizeiinspektionsleiter in Witten im Polizeipräsidium Bochum. In seinem Vortrag „Zwischen Blaulicht und Ausnahmezustand“ gewährte er eindrucksvolle Einblicke in einen Berufsalltag, der von Verantwortung, schnellen Entscheidungen und hoher Belastung geprägt ist. Er berichtete von Einsätzen im Streifenwagen, von seiner Rolle als Polizeiführer nach dem Säureanschlag auf ein Café im Jahr 2024 sowie von der Flutkatastrophe in Bad Münstereifel 2021. Seine Beispiele machten deutlich, dass Ausnahmesituationen für Einsatzkräfte Teil des Berufsalltags sind. Wenn Informationen fehlen und Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen werden müssen, braucht es klare Abläufe, eingespielte Teams und gegenseitiges Vertrauen. Ebenso wichtig sind regelmäßiges Training und mentale Stabilität, um auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben.
Nach diesem intensiven Einstieg nutzten viele Gäste die erste Pause für Gespräche. Der Austausch war lebendig und zahlreiche Besucher suchten anschließend noch den direkten Dialog mit ihm. Ein vielfältiges Buffet bot dabei den passenden Rahmen für Vernetzung und vertiefende Diskussionen.
Den zweiten Impuls setzte Samuel Kutger mit einer ganz anderen Perspektive. In seinem Vortrag „Für die Unternehmensgründung vor Gericht“ erzählte er seine ungewöhnliche Geschichte. Mit 13 Jahren zog er vor Gericht, um die Erlaubnis zu erhalten, eine eigene Firma zu gründen. Heute führt er mit 18 Jahren die emsbo GmbH mit rund 100 Mitarbeitenden. Das Unternehmen produziert Photovoltaikanlagen und Wallboxen in eigener Herstellung. Seine unternehmerische Geschichte begann jedoch schon früher. Mit elf Jahren bekam er zu Weihnachten eine Popcornmaschine geschenkt. Daraus entstand seine erste Geschäftsidee. Auf Familienfeiern verkaufte er Popcorn und sammelte erste Erfahrungen im Umgang mit Kunden. Dort lernte er früh, Verantwortung zu übernehmen und ein eigenes kleines Geschäft zu führen. Offen sprach er auch über Fehler auf seinem Weg. Eine Zeit lang bewegte er sich stark in seiner eigenen Bubble. Rückblickend sieht er darin eine wichtige Erfahrung. Sein Rat an die Gäste war deshalb klar: Man sollte bewusst auch einmal die eigene Bubble verlassen, um neue Perspektiven zu gewinnen. Seine Haltung brachte er mit einem Satz auf den Punkt: „Substanz statt Hype.“ Eine besondere Herausforderung bestand außerdem darin, sich als junger Geschäftsführer gegenüber deutlich älteren Mitarbeitern zu behaupten. Vertrauen gewann er durch Fachwissen, klare Entscheidungen und die Bereitschaft, ständig weiter zu lernen.
Den emotionalen Abschluss gestaltete Marlon Jonat aus Salzkotten mit seinem Vortrag „Dem Himmel näher als der Angst“. Als Gleitschirmpilot, YouTuber und Yogalehrer lebt er das Fliegen in all seinen Facetten. Er suchte Thermik in Israel und Afrika, überquerte die Alpen und die USA und inspirierte viele Menschen mit eindrucksvollen Aufnahmen und Einblicken in seinen Alltag. Mit der Zeit geriet er jedoch immer stärker unter inneren Druck. Der Gedanke, noch nicht dort zu sein, wo er sein wollte, begleitete ihn häufig. Der Blick für das, was er bereits erreicht hatte, ging zunehmend verloren. Dann kam der Moment, der alles veränderte. Schon vor dem Start hatte er ein ungutes Gefühl, entschied sich aber dennoch für den Flug. Kurz darauf stürzte er aus 530 Metern Höhe ab. Er überlebte den Unfall, hatte jedoch mit schweren körperlichen und mentalen Folgen zu kämpfen. Ärzte sagten ihm, dass Sport und Yoga für ihn vermutlich nicht mehr möglich sein würden. Doch damit wollte er sich nicht abfinden. Sein Leitsatz wurde: „Stillstand ist auch Rückschritt.“ Schritt für Schritt kämpfte er sich zurück. Für ihn bedeutet Mut nicht, keine Angst zu haben, sondern bewusst mit ihr umzugehen. Heute geht es ihm weniger darum, was genau er macht, sondern darum, dass es sich richtig anfühlt.
Am Ende zeigte sich, wie unterschiedlich Ausnahmesituationen sein können. Ob bei Polizei und Feuerwehr im Einsatz, im Unternehmeralltag oder beim Gleitschirmfliegen in großer Höhe. Entscheidend sind Klarheit, Selbstvertrauen, Teamgeist und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Mit neuen Denkanstößen, intensiven Gesprächen und vielen Impulsen ging der 11. Think-Tank zu Ende. Die Vorfreude auf die nächste Veranstaltung im Jahr 2027 ist bereits groß.